Interim CEO oder Geschäftsführer: Was passt?
- Christian Benz

- vor 3 Tagen
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Eine Vakanz in der obersten Führung lässt sich nicht mit zusätzlichen Sitzungen des Verwaltungsrats überbrücken. Wenn Entscheide liegen bleiben, Kunden Unsicherheit spüren oder die zweite Führungsebene Orientierung sucht, stellt sich rasch die Frage: Interim CEO oder Geschäftsführer auf Zeit? Die richtige Antwort hängt nicht am Titel, sondern am konkreten Auftrag, an der rechtlichen Struktur und am Handlungsdruck im Unternehmen.
Für Verwaltungsräte und Inhaber zählt vor allem eines: Eine erfahrene Führungspersönlichkeit muss kurzfristig Verantwortung übernehmen, Prioritäten setzen und die Umsetzung führen. Ein temporäres Mandat ist keine Beratung mit Distanz. Es ist operative Führung mit einem klaren Ziel, einem definierten Zeitraum und messbaren Ergebnissen.
Interim CEO oder Geschäftsführer: Der entscheidende Unterschied
Im Alltag werden CEO und Geschäftsführer oft gleich verwendet. Rechtlich und organisatorisch können die Begriffe jedoch etwas anderes bedeuten. Bei einer Schweizer AG ist der CEO in der Regel die operative Spitze der Geschäftsleitung. Die oberste Verantwortung und die unübertragbaren Pflichten bleiben beim Verwaltungsrat. Der CEO führt das Unternehmen innerhalb der ihm übertragenen Kompetenzen und berichtet dem Verwaltungsrat.
Bei einer GmbH ist der Geschäftsführer dagegen häufig auch formal als Organ im Handelsregister eingetragen. Er vertritt die Gesellschaft nach aussen und trägt damit eine unmittelbare rechtliche Verantwortung. In kleineren Unternehmen kann der Geschäftsführer zugleich Inhaber, Vertriebsleiter, Produktionsverantwortlicher und zentraler Entscheider sein. Fällt diese Person aus, fehlt nicht nur Führung, sondern oft der operative Knotenpunkt des gesamten Unternehmens.
Ein Interim CEO wird deshalb meist dann eingesetzt, wenn eine Geschäftsleitung stabilisiert, ein strategischer Kurs geschärft oder eine anspruchsvolle Veränderung geführt werden muss. Ein Geschäftsführer auf Zeit passt besonders dann, wenn die formale Gesamtverantwortung einer GmbH oder einer operativen Einheit unmittelbar besetzt werden muss. In der Praxis überschneiden sich beide Rollen häufig. Entscheidend sind Mandat, Zeichnungsberechtigung, Entscheidungsrechte und die Erwartungen des Verwaltungsrats.
Nicht der Titel, sondern die Verantwortung zählt
Ein Titel ohne klaren Auftrag schafft keine Führung. Vor Mandatsbeginn sollte festgelegt werden, welche Resultate erwartet werden, welche Kompetenzen übertragen werden und worüber der Verwaltungsrat entscheidet. Soll die Person lediglich den Betrieb stabilisieren? Muss sie Preise, Organisation und Kostenstruktur anpassen? Oder soll sie einen Nachfolgeprozess absichern und gleichzeitig das Tagesgeschäft führen?
Je klarer diese Fragen beantwortet sind, desto schneller kann ein Interim Manager Wirkung erzielen. Unklare Zuständigkeiten führen dagegen zu Doppelspurigkeiten, Verzögerungen und informellen Machtkämpfen. Gerade in angespannten Situationen braucht das Unternehmen eine eindeutig legitimierte operative Führung.
Wann ein Interim CEO die bessere Wahl ist
Ein Interim CEO ist besonders wirksam, wenn die Herausforderung über die Nachbesetzung einer Stelle hinausgeht. Das gilt etwa bei einer unerwarteten CEO-Vakanz, einer festgefahrenen Transformation oder einer Wachstumsphase, in der Strukturen, Prozesse und Führungsmodell nicht mehr zur Unternehmensgrösse passen.
In einem Industrieunternehmen kann das bedeuten, dass Lieferfähigkeit, Marge und Investitionsentscheide gleichzeitig unter Druck stehen. Ein CEO auf Zeit muss dann nicht zuerst eine Analysepräsentation erstellen. Er klärt die Fakten, führt die Geschäftsleitung, entscheidet über Prioritäten und sorgt dafür, dass Massnahmen im Vertrieb, in der Produktion und im Einkauf ineinandergreifen.
Auch nach einer Übernahme, bei einer anspruchsvollen Nachfolgeregelung oder bei Konflikten innerhalb der Geschäftsleitung ist ein Interim CEO oft die sachlichere Lösung. Die externe Perspektive hilft, eingefahrene Muster zu durchbrechen. Gleichzeitig braucht es genügend Führungserfahrung, um Vertrauen bei Mitarbeitenden, Kunden und Banken aufzubauen. Externe Objektivität allein reicht nicht. Sie muss mit persönlicher Präsenz, Entscheidungsstärke und Branchenverständnis verbunden sein.
Der Vorteil eines solchen Mandats liegt in der Kombination aus Tempo und Distanz. Ein erfahrener Interim CEO ist nicht Teil der bisherigen internen Geschichte. Er kann unangenehme Fragen stellen und notwendige Entscheide treffen. Dennoch muss er die vorhandene Organisation respektieren. Wer nur aufräumt, ohne Leistungsträger einzubinden, hinterlässt selten eine tragfähige Lösung.
Wann ein Geschäftsführer auf Zeit notwendig wird
Ein Geschäftsführer auf Zeit ist häufig die passende Lösung, wenn die formale und operative Leitung unmittelbar abgesichert werden muss. Das ist etwa der Fall, wenn ein geschäftsführender Gesellschafter krankheitsbedingt ausfällt, überraschend ausscheidet oder sich aus dem Tagesgeschäft zurückziehen will, bevor die Nachfolge geklärt ist.
In solchen Situationen braucht das Unternehmen eine Person, die nach aussen handlungsfähig ist und nach innen verbindliche Führung übernimmt. Mitarbeitende wollen wissen, wer entscheidet. Kunden und Lieferanten erwarten eine verlässliche Ansprechperson. Banken achten darauf, ob das Unternehmen sauber geführt wird und ob Massnahmen zur Sicherung von Liquidität, Ergebnis und Risikokontrolle greifen.
Bei einer GmbH ist zusätzlich die Organstellung sorgfältig zu prüfen. Soll der Interim Geschäftsführer im Handelsregister eingetragen werden? Welche Einzel- oder Kollektivzeichnungsberechtigung ist erforderlich? Wie werden Haftungsfragen, Informationsrechte und die Zusammenarbeit mit Gesellschaftern geregelt? Diese Punkte sind keine Formalitäten. Sie schaffen die Grundlage dafür, dass der Geschäftsführer seine Aufgabe wirksam und rechtssicher erfüllen kann.
Ein temporärer Geschäftsführer kann auch sinnvoll sein, wenn ein Eigentümer bewusst aus der operativen Rolle treten möchte. Gerade familiengeführte KMU profitieren davon, wenn Eigentum, Verwaltungsrat und operative Führung für eine Übergangszeit klar getrennt werden. Das schafft Raum für eine geordnete Nachfolge, ohne dass das Geschäft an Dynamik verliert.
Die häufigsten Fehlentscheide bei temporärer Führung
Der erste Fehler besteht darin, eine Führungsrolle zu spät zu besetzen. Viele Unternehmen versuchen, eine Vakanz intern aufzufangen. Das kann für wenige Wochen funktionieren. Über Monate entstehen jedoch Überlastung, verdeckte Konflikte und ein Verlust an operativer Konsequenz. Besonders kritisch wird es, wenn wichtige Kundenprojekte, Investitionen oder Restrukturierungsschritte parallel laufen.
Der zweite Fehler ist ein zu enges Mandat. Wer einen erfahrenen Interim Manager engagiert, ihm aber keine Entscheidungsrechte gibt, erhält keine Entlastung. Der Verwaltungsrat sollte strategische Leitplanken setzen und den Fortschritt eng begleiten. Er sollte jedoch nicht jeden operativen Entscheid in die eigene Sitzung verlagern.
Der dritte Fehler liegt in der falschen Erwartung an die Rolle. Ein Restrukturierungsmandat braucht eine andere Persönlichkeit und andere Schwerpunkte als eine Wachstumsphase. In einer Krise stehen Liquidität, Transparenz, Kostensteuerung und klare Kommunikation im Vordergrund. In einer Expansion geht es eher um skalierbare Prozesse, Führungskapazität, Kundenfokus und Investitionsdisziplin. Beides unter dem Etikett «Interim» zu behandeln, greift zu kurz.
Schliesslich wird die Übergabe oft unterschätzt. Ein gutes Mandat endet nicht mit dem letzten Arbeitstag. Es endet, wenn Zuständigkeiten geklärt, Entscheidungen dokumentiert, Führungskräfte eingebunden und die nächsten 90 Tage sauber vorbereitet sind. Der temporäre Einsatz soll das Unternehmen stärker und unabhängiger machen, nicht von einer einzelnen Person abhängig.
So wird das Mandat wirksam aufgesetzt
Am Anfang steht eine kurze, ehrliche Lagebeurteilung. Welche Risiken dulden keinen Aufschub? Welche Entscheidungen sind blockiert? Welche Personen tragen, welche Strukturen bremsen? Daraus entsteht ein Auftrag mit wenigen, konkret überprüfbaren Zielen. Beispielsweise die Stabilisierung der Lieferfähigkeit, die Rückkehr zu einem definierten Ergebnisniveau, die Besetzung einer Schlüsselrolle oder die Vorbereitung einer Nachfolgelösung.
Ebenso wichtig ist ein klares Governance-Modell. Der Verwaltungsrat bestimmt Zielbild, Entscheidungsrahmen und Reporting-Rhythmus. Der Interim CEO oder Geschäftsführer führt das Unternehmen im vereinbarten Rahmen operativ. Kurze, faktenbasierte Berichte schaffen Transparenz, ohne die Organisation mit Gremienarbeit zu belasten.
Die Dauer eines Mandats richtet sich nach der Aufgabe, nicht nach einem Standardschema. Eine reine Überbrückung kann wenige Monate dauern. Eine Transformation, ein Turnaround oder eine Nachfolgeregelung braucht oft mehr Zeit. Transparente Tagessätze und ein klar definierter Leistungsumfang ermöglichen dabei Kostenkontrolle ohne langfristige Personalbindung, Sozialabgaben oder verdeckte Zusatzkosten.
Für Schweizer KMU und Industrieunternehmen ist besonders wertvoll, wenn die eingesetzte Person sowohl strategisch denken als auch operativ führen kann. Christian Benz steht für diesen Ansatz: persönliche C-Level-Verantwortung, schnelle Einsatzbereitschaft und konsequente Umsetzung statt Beratung aus der Distanz.
Die Frage «Interim CEO oder Geschäftsführer?» ist letztlich kein Entscheid zwischen zwei Etiketten. Sie ist ein Entscheid darüber, welche Verantwortung jetzt übernommen werden muss, damit das Unternehmen wieder klar führen, entscheiden und handeln kann.


