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Interim Geschäftsführung erfolgreich einsetzen

Autorenbild: Christian Benz
Christian Benz
5. Okt.
5 Min. Lesezeit

Interim Geschäftsführung

Eine Geschäftsführervakanz wartet nicht auf den idealen Kandidaten. Kunden erwarten Entscheidungen, Mitarbeitende Orientierung und Banken oder Lieferanten belastbare Aussagen. Wer eine Interim Geschäftsführung erfolgreich einsetzen will, muss deshalb mehr tun, als kurzfristig einen erfahrenen Namen zu engagieren: Auftrag, Entscheidungsrechte und erwartete Wirkung müssen vom ersten Tag an geklärt sein.

Gerade in Schweizer KMU und Industrieunternehmen entscheidet die Qualität der Übergangsführung oft darüber, ob eine schwierige Phase zur kontrollierten Veränderung wird oder ob sie Umsatz, Schlüsselpersonen und Vertrauen kostet. Ein Geschäftsführer auf Zeit übernimmt nicht nur Aufgaben. Er trägt operative Verantwortung, schafft Prioritäten und setzt notwendige Massnahmen um.

Wann eine Interim Geschäftsführung die richtige Lösung ist

Der klassische Auslöser ist der unerwartete Ausfall eines CEO oder Geschäftsführers. Krankheit, Kündigung oder eine gescheiterte Nachfolge hinterlassen schnell ein Führungs- und Entscheidungsdefizit. Der Verwaltungsrat braucht dann eine Person, die sofort handlungsfähig ist, ohne monatelange Rekrutierung und ohne langfristige Personalbindung.

Eine Interim Geschäftsführung ist jedoch nicht nur eine Notlösung für Vakanzen. Sie ist besonders wirksam, wenn ein Unternehmen gleichzeitig führen und verändern muss. Das betrifft etwa eine Restrukturierung mit Ergebnisdruck, eine Wachstumsphase, in der Prozesse und Organisation nicht mehr mithalten, oder eine Nachfolgeregelung, bei der Eigentümerschaft, Geschäftsleitung und Belegschaft Sicherheit brauchen.

Auch nach einer Akquisition, bei der Zusammenführung von Standorten oder bei festgefahrenen Konflikten in der Geschäftsleitung kann externe Führung sinnvoll sein. Der Vorteil liegt in der unabhängigen Sicht: Ein Interim Manager ist nicht Teil bestehender Lager und muss keine interne Karriere absichern. Er kann Sachverhalte klar benennen und Entscheidungen im Interesse des Unternehmens treffen.

Entscheidend ist allerdings die Ausgangslage. Geht es primär um eine einzelne Fachfrage ohne Führungsverantwortung, ist spezialisierte Beratung häufig die passendere Lösung. Fehlen hingegen Richtung, Verbindlichkeit und operative Durchsetzung, braucht das Unternehmen Führung auf Zeit - nicht lediglich Empfehlungen.

Der Auftrag muss vor dem Start präzise sein

Viele Interim-Mandate verlieren Wirkung, weil der Auftrag zu allgemein formuliert ist. „Stabilisieren Sie das Unternehmen“ ist ein verständlicher Wunsch, aber keine ausreichende Führungsgrundlage. Der Verwaltungsrat und der Interim Geschäftsführer sollten vor dem Start gemeinsam festlegen, was Stabilisierung konkret bedeutet: Liquidität sichern, Lieferfähigkeit verbessern, Schlüsselmitarbeitende halten, ein Budget erarbeiten oder eine Nachfolge vorbereiten.

Dabei helfen drei Fragen. Erstens: Welches Ergebnis soll bis zum Mandatsende sichtbar sein? Zweitens: Welche Entscheidungen darf die Interim Geschäftsführung eigenständig treffen? Drittens: Wer ist auf Eigentümer- oder Verwaltungsratsebene verbindlicher Sparringpartner?

Ein klarer Auftrag schützt beide Seiten. Der Interim Manager kann mit dem nötigen Mandat führen, statt bei jeder anspruchsvollen Entscheidung Rückversicherung einzuholen. Der Verwaltungsrat erhält im Gegenzug Transparenz über Ziele, Prioritäten und Fortschritt. Besonders bei Restrukturierungen ist diese Klarheit unverzichtbar, weil Zeit, Liquidität und Glaubwürdigkeit eng zusammenhängen.

Ziele messbar und realistisch definieren

Messbare Ziele schaffen Orientierung, dürfen aber nicht zum Zahlenspiel werden. In einer akuten Ertragssituation können wöchentliche Liquiditätsplanung, Auftragseingang, Bruttomarge und offene Forderungen die richtigen Steuerungsgrössen sein. In einer Wachstumsphase stehen möglicherweise Liefertermintreue, Produktivität, Durchlaufzeiten oder die Besetzung kritischer Rollen im Vordergrund.

Ein erfahrener Interim CEO unterscheidet dabei zwischen Sofortmassnahmen und strukturellen Verbesserungen. Kosten lassen sich kurzfristig senken. Eine dauerhaft bessere Ergebnisqualität entsteht aber erst, wenn Verantwortlichkeiten, Prozesse und Führungsrhythmus ebenfalls angepasst werden. Wer nur auf den nächsten Monatsabschluss reagiert, verschiebt Probleme oft in die Zukunft.

Mandat und Entscheidungswege konsequent absichern

Eine externe Geschäftsführung kann nur dann wirksam handeln, wenn ihre Rolle im Unternehmen eindeutig kommuniziert wird. Mitarbeitende müssen wissen, dass Entscheidungen gelten, auch wenn das Mandat befristet ist. Unklare Aussagen wie „Er unterstützt uns vorübergehend“ schwächen die Autorität bereits am ersten Arbeitstag.

Der Verwaltungsrat sollte die Ernennung, Zuständigkeiten und Berichtswege intern klar bekannt geben. Dazu gehören auch Zeichnungsberechtigungen, Personalentscheide, Freigabelimiten und die Verantwortung für Kunden, Banken sowie wichtige Lieferanten. Je nach Situation ist eine formelle Organfunktion notwendig. Das ist keine Formalität, sondern Grundlage für handlungsfähige Führung und saubere Governance.

Gleichzeitig braucht es einen verlässlichen Austausch zwischen Verwaltungsrat und Interim Geschäftsführer. Ein kurzer, strukturierter Wochenrhythmus ist in kritischen Phasen meist wirkungsvoller als seltene, lange Sitzungen. Er schafft Transparenz, ohne das operative Geschäft durch permanente Abstimmungen zu lähmen.

Die ersten 30 Tage entscheiden über Akzeptanz und Tempo

Zu Beginn steht nicht der grosse Strategieprozess, sondern ein belastbares Lagebild. Der Interim Manager muss verstehen, wo Ergebnis, Liquidität, Kundenbeziehungen und Lieferfähigkeit tatsächlich stehen. Gerade in industriellen Unternehmen liegen Risiken oft zwischen den Kennzahlen: in unprofitablen Aufträgen, fehlerhaften Kalkulationen, überlasteter Produktion, unklaren Schnittstellen oder einer zu späten Eskalation von Qualitätsproblemen.

Dazu gehören Gespräche mit Führungskräften, Schlüsselpersonen und wichtigen Kunden ebenso wie der Blick auf Zahlen, Verträge, Auftragsbestand und operative Abläufe. Entscheidend ist, rasch zwischen Symptomen und Ursachen zu unterscheiden. Sinkende Marge kann ein Preisproblem sein - oder eine Folge von Ausschuss, ungeplanten Sonderfahrten und nicht verrechneten Zusatzleistungen.

In den ersten Wochen braucht es sichtbare Prioritäten. Nicht jedes Problem wird gleichzeitig gelöst. Häufig sind es wenige Entscheidungen mit hoher Wirkung: ein täglicher Steuerungsrhythmus, ein verbindlicher Massnahmenplan für die Liquidität, die Neubesetzung einer kritischen Führungsrolle oder ein klares Vorgehen bei verlustbringenden Kundenaufträgen.

Sichtbare Führung bedeutet dabei nicht Aktionismus. Mitarbeitende akzeptieren auch harte Entscheide eher, wenn sie nachvollziehbar erklärt, konsequent umgesetzt und für alle nach denselben Grundsätzen angewendet werden.

Zwischen Stabilisierung und Veränderung richtig gewichten

Ein Interim Mandat steht oft unter einem doppelten Anspruch. Das Unternehmen soll sofort wieder zuverlässig funktionieren und gleichzeitig grundlegend besser aufgestellt werden. Diese Ziele widersprechen sich nicht, verlangen aber eine klare Reihenfolge.

Wenn Cashflow, Lieferfähigkeit oder Führungssituation instabil sind, hat Stabilisierung Vorrang. Erst wenn die operative Kontrolle wiederhergestellt ist, lassen sich grössere Organisationsprojekte sauber aufsetzen. Wer mitten in einer Krise sämtliche Prozesse neu gestalten will, überfordert die Organisation und verliert Zeit.

Umgekehrt darf die Interim Geschäftsführung nicht bei der Krisenverwaltung stehen bleiben. Ein Mandat ist dann erfolgreich, wenn es das Unternehmen nicht abhängig von der externen Person macht. Dazu gehört, Verantwortung an die bestehende Führungsmannschaft zurückzugeben oder gezielt neue Führungskräfte aufzubauen. Prozesse müssen dokumentiert, Entscheidungsroutinen etabliert und Verantwortlichkeiten belastbar verteilt sein.

Die Mannschaft einbinden, ohne den Auftrag zu verwässern

Erfahrene Mitarbeitende kennen Kunden, Produkte und Schwachstellen meist besser als jeder externe Manager in den ersten Tagen. Wer diese Kompetenz ignoriert, verliert wertvolle Zeit. Wer jedoch jede Entscheidung zur Diskussion stellt, verliert die nötige Geschwindigkeit.

Die richtige Balance liegt in klarer Führung und echter Einbindung. Der Interim Geschäftsführer hört zu, prüft Fakten und setzt eine Richtung. Führungskräfte erhalten klare Erwartungen und Entscheidungsräume. Wo Leistung oder Haltung nicht passen, muss dies zeitnah angesprochen werden. Gerade in Umbruchsituationen ist ausweichende Kommunikation teuer.

Erfolg transparent steuern und rechtzeitig übergeben

Ein gutes Mandat arbeitet von Beginn an auf seine Übergabe hin. Das heisst nicht, dass das Enddatum starr sein muss. Bei komplexen Nachfolgen, Sanierungen oder Transformationsprogrammen kann eine Verlängerung sinnvoll sein. Sie sollte aber aus dem Projektfortschritt entstehen, nicht aus ungeklärten Abhängigkeiten.

Ein wirksames Reporting verbindet operative Kennzahlen mit einer klaren Einschätzung der Risiken und offenen Entscheide. Der Verwaltungsrat muss nicht jede Detailfrage selbst bearbeiten. Er muss jedoch erkennen können, ob die vereinbarten Ziele erreichbar sind, wo er entscheiden muss und welche Folgen ein Aufschub hätte.

Vor der Übergabe braucht die Nachfolge eine strukturierte Einführung. Dazu gehören nicht nur Zahlen und Dossiers, sondern auch die noch offenen Konflikte, wichtige Kundenbeziehungen, kritische Lieferanten, informelle Entscheidungswege und die tatsächliche Leistungsfähigkeit der Organisation. Eine saubere Übergabe sichert den erreichten Fortschritt und verhindert, dass alte Muster unmittelbar zurückkehren.

Der richtige Interim Manager: Seniorität vor beeindruckenden Folien

Für ein anspruchsvolles Mandat zählt nicht allein Branchenerfahrung, obwohl sie gerade in Industrie, technischem B2B, Baustoffen oder Handel wertvoll sein kann. Entscheidend ist, ob die Person vergleichbare Führungs- und Veränderungssituationen selbst verantwortet hat. Wer nur beraten hat, kennt die Konsequenzen einer schwierigen Personalentscheidung, eines verfehlten Monatsabschlusses oder eines eskalierenden Kundenproblems nicht zwingend aus eigener Verantwortung.

Achten Sie auf nachweisbare operative Führungserfahrung, Entscheidungsstärke, finanzielle Sicherheit und die Fähigkeit, mit Mitarbeitenden ebenso klar zu sprechen wie mit Eigentümern und Verwaltungsräten. Referenzen sollten konkrete Aufgaben, Ausgangslagen und Ergebnisse erkennbar machen. Bei Christian Benz steht genau diese persönliche C-Level-Verantwortung im Zentrum: keine anonyme Beratung, sondern Führung mit klarer Umsetzungsorientierung.

Der Tagessatz ist dabei nur ein Teil der wirtschaftlichen Betrachtung. Relevant sind Verfügbarkeit, Dauer bis zur ersten wirksamen Entscheidung, vermiedene Risiken und die Qualität der Übergabe. Ein transparentes All-inclusive-Modell kann gegenüber einer überhasteten Festanstellung oder einer langwierigen Beratung sowohl Kosten als auch Führungsrisiken besser kontrollierbar machen.

Die wirksamste Interim Geschäftsführung hinterlässt nicht einfach einen ruhigeren Betrieb. Sie hinterlässt ein Unternehmen, das Entscheidungen wieder schneller trifft, Verantwortung klarer wahrnimmt und die nächste Phase aus eigener Kraft gestalten kann.

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